Donnerstag, 16. Januar 2014

Rezension: Tereza Vanek - Die Rebellin von Shanghai

Eine spannende (Lese-)Reise in das China zu Beginn des 20. Jahrhunderts


 
 
gebunden
Verlag: Bookspot
Seiten: 680
ISBN: 9783937357812
Preis: € 17,95
Erhältlich u.a. bei Amazon: http://amzn.to/1cjIw4r
 
 
Zum Inhalt:
 
Die Geschichte beginnt in Shanghai im Jahre 1900: Die 17jährige Charlotte, die bis dato ein behütetes Leben geführt hat, muss feststellen, dass ihr aufgrund ihrer chinesischen Herkunft und trotz Adoption durch ihre europäische Mutter, nicht alle Türen in Shanghai offen stehen. Besonders ihre unglückliche Liebe zu einem englischen Offizier lässt die junge Frau in ein tiefes Loch fallen. Auch der überraschende Besuch von Elsa, einem Mädchen aus Hamburg, trägt nicht zur Gemütsbesserung von Charlotte bei. Und es dauert nicht lange bis Charlotte eine Entscheidung trifft: Sie will nach Peking reisen um ihre wahre Mutter kennenzulernen. Auch Elsa zieht es nach Peking, wo sie eine Anstellung im Gesandtschaftsviertel annehmen will. Beide Frauen gehen ihren Weg, ohne zu wissen, welche Gefahren auf sie in Peking warten. Denn der Aufstand der Boxer steht kurz bevor...
 
Meine Meinung:
 
Als Erstes möchte ich noch kurz darauf hinweisen, dass es nicht zwingend erforderlich ist, den Vorgänger "Das Geheimnis der Jaderinge" zu lesen, um dieses Buch zu verstehen, da die Geschichten unabhängig von einander sind. Es kommen zwar auch Charaktere aus dem ersten Band darin vor, aber nur als Nebenfiguren. Trotzdem kann ich euch den ersten Band nur empfehlen.
 
Bevor ich zum Inhalt des Buches komme, möchte ich kurz erwähnen, dass mir die Aufmachung des Schutzumschlages sehr gut gefällt. Die Farben sind richtig ansprechend und das Cover ist meiner Meinung nach auch nicht zu kitschig. Außerdem gefällt es mir, dass dieses Buch sowie der Vorgänger-Band (und andere Bücher aus der Edition Carat) farblich im Bücherregal so toll harmonieren. Ich finde es immer toll, wenn Bücher, die aus einer Reihe oder einer Edition stammen,  zueinander passen.
 
Beim Aufschlagen des Buch entdeckt man gleich im Buchdeckel eine übersichtliche Karte über das Gesandtschaftsviertel in Peking, welche im Verlauf der Geschichte wirklich recht hilfreich ist, wenn man sich ein wenig orientieren möchte.
Leider wurde ich am Anfang des Buches ein wenig demotiviert, als ich auf den ersten Seiten das doch recht umfangreiche Namensverzeichnis entdeckt habe. Ich habe ja immer Schwierigkeiten, mir im Verlauf eines Buches alle Namen zu merken. Und wenn man direkt am Anfang schon so viele Namen sieht, bekommt man schon ein wenig Panik. Aber ich kann euch beruhigen: Selbst ich als doch teilweise vergesslicher Leser bin mit den Namen recht gut klargekommen und habe wirklich selten in dem Namensverzeichnis gespickt. Auch der Umfang des Buch mit 680 Seiten entspricht nicht so ganz den Büchern, die ich in der Regel lese (die meisten sind dünner), aber auch dieser Umstand hat dem Lesevergnügen nicht geschadet. Einziger Minuspunkt diesbezüglich wäre vielleicht das Gewicht des Buches. Aber bei einem Hardcover mit so viel Seiten ist es wohl nicht anders möglich.
Beim ersten Teil war ich ja so begeistert vom Schreibstil der Autorin und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht.  Kaum hatte ich ein paar Seiten gelesen, war ich im Geiste direkt in Shanghai und hat alle Ereignisse miterlebt, wie wenn man direkt neben den Charakteren gestanden hätte. Alles war so toll geschildert, dass ich mir ohne lange zu überlegen, die Charaktere sowie die Umgebung vorstellen konnte. Die Autorin hat es mit den Erklärungen und Schilderungen auch nicht übertrieben, sondern - zumindest für mich - genau das richtige Maß gefunden. Ich mag es z.B. nicht, wenn über mehrere Seiten ein bestimmter Gegenstand beschrieben wird. Ich denke, dass es manchmal einfach besser ist, den Leser auch ein wenig seiner eigene Phantasie zu überlassen.
Auch mit den Charakteren, die die Autorin geschaffen hat, bin ich relativ schnell warm geworden. Natürlich hat man selbst seine persönlichen Favoriten oder auch Personen, die man nicht so leiden kann. Aber alle haben etwas gemeinsam: Man hat schon nach kurzer Zeit ein Bild des Charakters vor dem inneren Augen und "hört" ihn sprechen, so dass man wirklich eine Art Film im Kopf hat.
Die Geschichte enthält so ziemlich alles was, ein guter Roman braucht: Da ist von Liebe über Herzschmerz bis hin zu Hass und sogar Krieg alles vertreten. Die Geschichte ist stellenweise wirklich recht spannend geschrieben und weist doch den einen oder anderen Schockmoment auf, so dass man als Leser doch schon mal den einen oder anderen Fingernagel abgekaut hat.
Aber neben den fiktiven Elementen des Buches fand ich es auch recht interessant, mal etwas über das China Anfang des 20. Jahrhunderts zu lesen, denn bis dato hatte ich mich mit dieser Thematik noch nie beschäftigt. Man kann wirklich sagen, dass dieses Buch aus zwei wesentlichen Dingen besteht: einen interessanter und unterhaltsamer Roman sowie historischen Details, bei denen der Leser noch so einiges lernen kann. Was jetzt aber nicht bedeutet, dass ihr mit historischen Fakten zugeschmissen werdet. Die Informationen sind so gut in der Geschichte integriert, dass man eigentlich fast schon nebenbei etwas für seine Allgemeinbildung tut :-)
Mein Fazit:
Ein historischer Roman, dessen interessante Thematik zusätzlich mit einer tollen Geschichte bereichert wurde.
 
Bewertung:
(3 1/2 von 5 Sterne)

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