Samstag, 29. September 2012

Rezension: Erika Riemann - Die Schleife an Stalins Bart

Eine interessante Lebensgeschichte



gebunden
Verlag: Weltbild
Seiten: 254
ISBN: 978-3828975781
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Zum Inhalt:
Mühlhausen, im Jahr 1945: Erika Riemann ist ein aufgewecktes, manchmal auch freches 14jähriges Mädchen, dass gerne ihren Kopf durchsetzt und auch nicht davor zurückschreckt, laut ihre Meinung zu sagen. Dies ist jedoch etwas, was man im von der russischen Armee besetzten Teil Deutschlands lieber nicht machen sollte. Doch Erika lässt sich dadurch nicht beirren. Daher hat sie auch keine Hemmungen ein Bild von Stalin mit ihrem Lippenstift zu verzieren, damit er nicht mehr so traurig aussieht. Doch was mit einem Spaß beginnt, endet für Erika in der Hölle. Sie wird verhaftet und zu 10 Jahren Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt...

Meine Meinung:
In diesem Buch erzählt Erika Riemann ihr Leben - beginnend mit ihrer Jugend in der Nachkriegszeit, über die Verhaftung durch die Russen, von ihrer achtjährigen Gefangenschaft in verschiedenen Lagern und Gefängnissen und von ihrem Leben nach der Tortur. Diese Frau hat wirklich einiges miterlebt und hat trotz aller Widrigkeiten überlebt, was in meinen Augen wirklich ein Wunder war. Die Lebensumstände, die sich während ihrer Gefangenschaft abspielten, sind wirklich unmenschlich. Für mich ist es auch total unverständlich wie die Russen einen einfach wegen Nichtigkeiten verhaften konnten und für Jahre wegsperren durften - ohne das jemand irgendwas dagegen getan hat. Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass niemand wirklich über die Zeit sprechen möchte, da kaum darüber berichtet wird. Diese Zeit gehört aber auch zur Vergangenheit Deutschlands und ich finde, dass diese schlimmen Erlebnissen nicht im Schatten des zweiten Weltkrieges irgendwie untergehen sollten. Denn für die Menschen, die diese Gräueltaten erleben mussten, war es wohl die schlimmste Zeit ihres Lebens - und meistens konnte sie nicht mal was dafür. 

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Man hat wirklich das Gefühl, man sitzt Erika Riemann gegenüber und sie erzählt einem die Geschichte selbst. Es gab keine tiefgründigen Vergleiche oder ellenlange Satzmonster - nein, die Autorin hat einfach frei raus geschrieben. Meiner Meinung nach passt dieser Schreibstil wunderbar zu diesem Buch.
Als ich dieses Buch angefangen habe, war mir bewusst, dass dieses sich hauptsächlich um die Zeit, die Erika Riemann in den Gefängnissen verbracht hat,dreht. Was auch gestimmt hat. Ich würde sagen, 2/3 des Buches befasst sich mit dieser Zeit. Natürlich nehmen eine diese Erlebnisse mit, jedoch muss ich sagen, dass zum Ende dieser Zeit das Buch ein wenig langatmig wurde. Viele Dinge haben sich wiederholt, was natürlich klar ist, da man während einer solchen Gefangenschaft nicht viel Neues erlebt. Daher bin ich der Meinung, dass man manche Abschnitte, die sich wiederholen, auch hätte weg lassen können, ohne dem Ganzen irgendwie zu schaden. 

Mein Fazit:
Wer sich für die Geschichte Deutschlands interessiert, sollte dieses Buch auf jeden Fall auch mal lesen.

Bewertung:
(3 von 5 Sterne)
 

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